„Ich versuche mal, es euch zu erklären,“ sagt die K., “ aber ich habe es früher schon mal versucht, und wenn ich mich reden höre, also, dann ist es niemals genau das, was ich eigentlich sagen möchte.“
Wir sitzen in der Glasveranda des Hauses von K.`s Mutter, in dem Raum mit den Avocadopflanzen, die diese aus den dicken, fettigen Kernen züchtet. Es fängt an zu dämmern, und draußen regnet es. Die K. hat am Fenster gestanden und in den grauen Nachmittag geschaut. Jetzt wendet sie sich um und setzt sich uns gegenüber, die wir beide mit unseren Kaffeebechern auf dem voluminösen Sofa hocken.
„Ich glaube, das kommt daher, weil es so ein Gefühl aus dem Bauch ist, das dich am Ende dazu bringt, es zu tun. Du triffst eine Wahl. Tust du es nicht, dann kannst du eine Menge Gründe anführen, warum nicht. Alle möglichen Gründe.“ Sie bricht ab, und ich sehe, wie sie sich konzentriert, wie sie sich bemüht, von dieser Geschichte, die ihr Leben verändert hat, so zu erzählen, dass wir sie auch verstehen.
„Ich wurde Nonne aufgrund einer Liebesgeschichte,“ sagt sie und zündet die dicke gelbe Kerze an, die in einem altmodisch gedrechselten Ständer auf dem Tisch steht. Dann lehnt sie sich zurück. Wir sind beide von der Stimmung eingefangen, vom ruhigen Klang ihrer Stimme und wie sie so dasitzt im ausgeleierten Pullover und in uralten Jeans, im grauen Licht, das von hinten auf sie fällt.
„Aber du hast dich entschieden, diesen Weg nicht bis zu Ende zu gehen, oder?“ frage ich. Ihre Reaktion kommt langsam, ein mild erstaunter Blick: „Ich wollte hinaus in die Welt. Ich muss gebraucht werden. Es gibt überall Menschen, die einen brauchen. Überall, wohin man schaut. “ Ich weiß, was sie als nächstes sagen wird.
„Ich brauche etwas, in das ich mich verlieren kann. Und das ist der Grund, warum ich nach Nicaragua gehen und dort helfen werde.” Sie nimmt vorsichtig eine winzige Raupe von einem Avocadoblatt, setzt sie auf die Tischplatte und sagt: ” Oder wohin auch immer.“

20. November 2012 at 5:34 nachmittags
Geschichte und Gezeichnetes – wie immer – es geht mir unter die Haut!
Liebe Grüße, Brigitte
20. November 2012 at 7:32 nachmittags
Es freut mich jedesmal, wenn du in meinem Skizzenbuch mitliest, liebe Brigitte. Leider kann ich gar nicht mehr auf deinen Blog zugreifen, er scheint gesperrt zu sein. Oder? Liebe Grüße für dich!
20. November 2012 at 5:54 nachmittags
Eine interessante Geschichte und gut gezeichnet! Wie immer einfach toll – danke! KLaus
20. November 2012 at 7:38 nachmittags
Danke für deine netten Worte, lieber Klaus. Ich wünsche dir noch einen schönen Dienstag!
21. November 2012 at 9:16 vormittags
Danke, ich wünsche dir heute einen schönen Mittwoch!
20. November 2012 at 6:53 nachmittags
Die Zimtsterne zeigen ja auch in alle Himmelsrichtungen … zu denen man sich auf den Weg machen könnte. Wenn man mag. Ich halte es mit der Katze, die nach spannenden Ausflügen wieder nach Hause kommt und die Behaglichkeit genießt. Und sie anderen schnurrend schenkt …
mb
20. November 2012 at 8:25 nachmittags
Immer wieder nach Hause zurückkehren können, wenn man mag…dann ist die Ferne nicht so fern.
20. November 2012 at 9:51 nachmittags
Ist das schön, dich wieder zu lesen, ich habe mir Sorgen gemacht…
Manchmal kann man die wirklich starken Bauchgefühle, die einen förmlich zu einer Entscheidung zwingen, in der Tat nicht recht in Worte fassen…
Die Bewegungen der Katze hast du überwältigend gut fest gehalten! Ich höre sie regelrecht schnurrend auf leisen Samtpfoten näher kommen…
♥liche Grüße!
22. November 2012 at 12:37 nachmittags
Danke für dein Lob, liebe Margot! Katzen kann man am besten zeichnen, wenn sie dösen und sich nicht bewegen….smile*. Aber manchmal gelingt es auch, sie in einer typischen Bewegung zeichnerisch festzuhalten. Ich wünsche dir einen schönen Tag!
21. November 2012 at 9:28 vormittags
Du hast mit so relativ wenigen Worten so treffend beschrieben, wie ein Leben verlaufen kann, wie ein neuer und anderer Sinn gesucht wird – und wie immer, toll gezeichnet!
Lieben Gruß zu dir von Clara
22. November 2012 at 12:51 nachmittags
Da hast du recht, liebe Klara, manche Entscheidungen sind nur für eine Zeitlang gut und richtig. Manchmal stellt man dann irgendwann fest, dass man sich in einem falschen Leben befindet. Ich persönlich denke, dass es nie zu spät dafür ist, dass zu werden, was man hätte sein können.
21. November 2012 at 5:33 nachmittags
Boah, diese Katze! Die scheint sich richtig zu bewegen!!! Wie du das nur machst… Und diese Geschichte, da bekomm ich Gänsehaut, so stark ist das Gefühl, dabeigesessen und zugehört zu haben.
Liebe Grüße und noch einen schönen Abend wünsche ich,
S.
22. November 2012 at 2:37 nachmittags
Das freut mich, liebe Sybille, dass dir meine kleinen Zeichnungen und der Text gefällt! Ja, du hast recht, manchmal sitzt man beisammen und es ist so eine ganz bestimmte Stimmung im Raum, die das Gefühl vermittelt, die Zeit bliebe stehen. Das kenne ich auch noch sehr gut aus meiner Kindheit, in der wir oft in der Dämmerung auf der Fensterbank saßen und die Oma uns Geschichten vorlas.
21. November 2012 at 6:58 nachmittags
Liebe Rosie, wie schön ein neuer Beitrag von Dir, und mein Gott so eine schöne Katzen und Plätzchen Zeichnung, ich hatte mir auch schon Gedanken gemacht und Dich vermisst, willkommen zurück im Webspace
(ich mache auch bald Pause) viele Grüsse von
Helen
22. November 2012 at 2:55 nachmittags
Danke für deine lieben Worte und für dein Lob, liebe Helen. Katzen zu zeichnen ist immer so eine Sache für sich, finde ich. Denn sie haben so ihre eigene Persönlichkeit. Manchmal habe ich Glück und es gelingt mir, den besonderen Katzen-Moment einzufangen.
22. November 2012 at 7:53 vormittags
Liebe Rosie,
das sind wieder wunderbare Zeichnungen. Ich schreibe gerade an einer langen Geschichte, in der eine Katze eine große Rolle spielt. Sie sieht genauso aus wie deine, jedenfalls hatte ich sie so vor meinem inneren Auge, wunderschön!
Auch die Geschichte zum heutigen Eintrag berührt mich sehr, vielen Dank!
Liebe Grüße
Regina
22. November 2012 at 3:05 nachmittags
Liebe Regina, danke für dein Kompliment! Oh…du schreibst an einer neuen Geschichte? Da freue ich mich, dass meine Katzen-Zeichnung diese so quasi “illustriert”….smile*. Ich bin jetzt schon gespannt darauf!
22. November 2012 at 6:10 nachmittags
Endlich kann ich auch wieder hier mitlesen und mitschauen – ich konnte längere Zeit die Bilder nicht öffnen. Nun funktioniert es wieder. Toll!
Deine Geschichten und Zeichnungen mag ich sehr, Rosie. Sie sind authentisch und anrührend, ohne kitschig oder sentimental zu sein. Vielen Dank dafür!
Liebe Grüsse,
Brigitte
22. November 2012 at 11:46 nachmittags
Liebe Brigitte, das freut mich aber, dass du wieder dabei bist und in meinem Skizzenbuch mitliest! Und ich schicke dir ein dickes D.A.N.K.E für das schöne Lob! Liebe Grüße in die Schweiz!
25. November 2012 at 8:24 nachmittags
Geschichten die das Leben schreibt, von Dir wieder einfindsam formuliert, mit Deiner ART des Gestaltens wunderbar praesentiert..
saludos Ruediger
27. November 2012 at 3:28 nachmittags
Ja, ich finde, das Leben schreibt die schönsten, traurigsten, mutigsten, erschreckendsten und spannendsten Geschichten. Meist muss man gar nicht so weit gucken – Geschichten finden überall und jederzeit statt. Unser ganzes Leben besteht aus Geschichten. Danke schön für dein Lob, lieber Rüdiger! Herbstliche Novembergrüße über den Ozean nach Paraguay!
27. November 2012 at 9:39 vormittags
Du bist wieder da, hatte mir schon Sorgen gemacht.
Tja, es ist erstaunlich, was für Kurven ein Leben nehmen kann.
Und die Lebenskunst ist es, zu erkennen, welche Richtung eingeschlagen wird.
Du hast so genial beschrieben, es wirkt fast einfach, selbstverständlich.
Die Stimmung kommt so gut herüber, so vertraut und innig.
Ganz liebe Grüße an dich, liebe Rosie ♥
deine Bärbel
27. November 2012 at 3:39 nachmittags
Da hast du recht, liebe Bärbel. Das Leben ist eine Kunst, und man sollte immer mit offenen Augen hindurchgehen, um zu erkennen, wann man die Richtung ändern muss. Denn die Segel setzen müssen wir immer selbst.
6. Dezember 2012 at 7:51 nachmittags
Ich finde es eine grosse Gabe, Gefühle, Stimmungen, Schwingungen, so wie Du zu beschreiben und dazu noch eine Skizze, ein Bild zu fertigen, welches diese Emotionen noch mehr unterstreicht und aufleben lässt.
Liebe Grüsse!
7. Dezember 2012 at 7:11 nachmittags
Das freut mich sehr, dass du das sagst, liebe Vallartina. Ja, manchmal gibt es sie, diese ganz besonderen Momente und Stimmungen, in denen alles richtig ist, so wie es ist.
12. Dezember 2012 at 3:46 vormittags
Ich mag deine Geschichjten und deine Zeichnungen.
Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich mehr lesen.
Versprochen.
Herzliche Grüße
von der anderen Hälfte der Erde
Jorge D.R.
14. Dezember 2012 at 4:07 nachmittags
Vielen Dank, lieber Jorge. Ich wünsche dir noch viele wunderbare Erlebnisse, spannende Begegnungen und interessante Gespräche auf der anderen Hälfte der Erde!
14. Dezember 2012 at 3:02 nachmittags
Hallo, ich habe viel in Deinem Blog gestöbert und staune immer wieder, wie dreidimensional Du die Dinge zeichnest. Die Zimtsterne verleiten dazu, “ins Blatt einzutauchen”. Klasse!! Leo
14. Dezember 2012 at 4:25 nachmittags
Es freut mich, dass du in meinem Blog liest, lieber Leo. Zimtsterne sind meine liebsten Lieblingskekse und ich kann nicht genug von ihnen bekommen! Die im Skizzenbuch gezeichneten haben auch nicht lange “überlebt”…smile*