Rollingstonesquadrathalb

Die größte Rockband der Welt feiert zur Zeit ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum.  Manch einer fragt sich, ob die „alten Herren“ das noch nötig haben und ob sie nicht endlich kürzer treten sollten.  Doch diese Herren denken gar nicht daran.  Ich erinnere mich noch sehr gut an die erste Single-Schallplatte, die ich mir von Mick, Keith, Brian, Charlie und Bill kaufte – es war „Play With Fire“.  Ihre Platten habe ich im Laufe der Jahrzehnte gefühlte eine Million mal gehört und ich habe zig ihrer Konzerte besucht.  Das alles ist für mich jetzt ein Grund, den Stones zu ihrem Jubiläum eine meiner Zeichnungen zu widmen.

Auf diesem Portrait sind sie jung, sehr jung und wie man sieht, ist hier auch noch der blonde Brian Jones dabei. Das Bild habe ich „Paint It Black“ genannt und es mit schwarzer Tinte und meinem alten Mont Blanc Füllfederhalter gezeichnet.  Um die Schatten, z.B. in den Gesichtern und der Kleidung, zu definieren, habe ich die Tinte per Pinsel mit Wasser vermischt.  Der stilisierte Baum im Hintergrund zeigt ein psychedelisches „Blattwerk“.  Dieses soll ebenfalls auf das Lied „Paint it Black“ hindeuten, in dem Brian Jones auf der Sitar spielt.  Nun, mittlerweile sind die Rolling Stones zwar ein bisschen verwittert, aber sie sind immer noch da und wie mir scheint, eisern entschlossen, ihren Stiefel durchzuziehen.  Wie heißt es doch so schön: „It’s only rock ’n’ roll, but I like it.“  Ja, genau so ist es.

Das Bild auf Büttenpapier ist 30 x 30cm groß, bekam ein weißes Passepartout und einen weißen Rahmen.  Copyright R.Geisler.

Jeder, der mich auch nur ein klitzekleines bisschen kennt, weiß, dass ich zu denen gehöre, die sogar in der heutigen Zeit noch gerne Karten und Briefe schreiben. Und darum werde ich auch in diesem Jahr wieder handschriftliche Grüße an nette Menschen verschicken.

War es im letzten Jahr meine Zeichnung des jungen Bob Dylan, die auf Postkarten in die Welt gesandt wurde, so habe ich für dieses Jahr eines meiner Portraits von Jimi Hendrix ausgesucht.  Denn Jimi gehört zu meinen liebsten „Lieblingsmotiven“, wie man es z.B. in meinem Portfolio sehen kann.

Und so werde ich dann eine Weile hier am Tisch sitzen, im Adressbuch blättern und schreiben, nichts anderes tun, keinen Anruf entgegen nehmen, nichts tippen, nur Musik hören, Zimttee trinken und schreiben.

Übrigens, wer gern eine dieser Karten hätte und nicht in meinem Adressbuch steht, kann sich gerne bei mir melden!

„Ich versuche mal, es euch zu erklären,“ sagt die K., “ aber ich habe es früher schon mal versucht, und wenn ich mich reden höre, also, dann ist es niemals genau das, was ich eigentlich sagen möchte.“

Wir sitzen in der Glasveranda des Hauses von K.`s Mutter, in dem Raum mit den Avocadopflanzen, die diese aus den dicken, fettigen Kernen züchtet.  Es fängt an zu dämmern, und draußen regnet es.  Die K. hat am Fenster gestanden und in den grauen Nachmittag geschaut.  Jetzt wendet sie sich um und setzt sich uns gegenüber, die wir beide mit unseren Kaffeebechern auf dem voluminösen Sofa hocken.

„Ich glaube, das kommt daher, weil es so ein Gefühl aus dem Bauch ist, das dich am Ende dazu bringt, es zu tun.  Du triffst eine Wahl.  Tust du es nicht, dann kannst du eine Menge Gründe anführen, warum nicht.  Alle möglichen Gründe.“  Sie bricht ab, und ich sehe, wie sie sich konzentriert, wie sie sich bemüht, von dieser Geschichte, die ihr Leben verändert hat, so zu erzählen, dass wir sie auch verstehen.

„Ich wurde Nonne aufgrund einer Liebesgeschichte,“ sagt sie und zündet die dicke gelbe Kerze an, die in einem altmodisch gedrechselten Ständer auf dem Tisch steht.  Dann lehnt sie sich zurück.  Wir sind beide von der Stimmung eingefangen, vom ruhigen Klang ihrer Stimme und wie sie so dasitzt im ausgeleierten Pullover und in uralten Jeans, im grauen Licht, das von hinten auf sie fällt.

„Aber du hast dich entschieden, diesen Weg nicht bis zu Ende zu gehen, oder?“ frage ich. Ihre Reaktion kommt langsam, ein mild erstaunter Blick: „Ich wollte hinaus in die Welt. Ich muss gebraucht werden. Es gibt überall Menschen, die einen brauchen. Überall, wohin man schaut. “ Ich weiß, was sie als nächstes sagen wird.

„Ich brauche etwas, in das ich mich verlieren kann. Und das ist der Grund, warum ich nach Nicaragua gehen und dort helfen werde.”  Sie nimmt vorsichtig eine winzige Raupe von einem Avocadoblatt, setzt sie auf die Tischplatte und sagt: ” Oder wohin auch immer.“

Die E.  hat  „DIE ZEIT“ abonniert,  die ist ihr lieber als alle anderen Blätter der Wochenpresse, weil sie „etwas tiefer in die Geschichten eindringt, und sie ist besser geschrieben“, so meint sie.  Alte Ausgaben,  die zu lesen sie keine Zeit gefunden hatte,  bewahrt sie auf der überdachten Veranda auf.    „Sie erscheint nur jede Woche,“ sagt sie,“ aber es kommt mir fast vor wie jeden Tag.“

Zum Abendessen wärmen wir uns zwei Light-Gerichte in der Mikrowelle auf,  zweimal Hühnchen-Menüs,  aber verschiedene,  und treten damit auf die Veranda.  Auch, um in ein paar alten ZEIT-Exemplaren zu blättern.  Ich frage, ob der S. angerufen habe, und die E. sagt:  „Der ruft so gut wie nie an.  Mit dem Essen brauche ich nicht auf ihn zu warten.  Er kommt und geht, wann er will.“

„Ich dachte, ihr beide seid zusammen,“ sage ich und picke mit der Gabel ein paar Erbsen auf.

„Er ruft an, wenn ich für ihn etwas erledigen soll. Er überzeugt mich immer wieder durch sein Gerede. Letztens hat er mir meinen Stepper abgeschwatzt.“ Ich muss überlegen, versuche mich daran zu erinnern, wo die E. in ihrer Wohnung einen Stepper hatte.

„Und weißt du, was das Blöde ist?  Er braucht mich nur mit diesem Blick anzuschauen.  Und mich zum Lachen zu bringen. Das schafft er jedes Mal.“ Sie macht eine Pause und sagt,  einen Artikel über „Europas AKW`s“ aufschlagend:  „Verdammt. Ja, verdammt.“

Ja, genau, das bin unübersehbar ich….smile* .  Gemalt von der wunderbaren Künstlerin Helen Königs aus Bremen.  Helen und ich haben nämlich in den letzten Wochen ein spannendes und aufregendes Projekt geplant und verwirklicht:  wir haben uns gegenseitig gezeichnet/gemalt!  Das war eine tolle Erfahrung und hat richtig viel Spass gemacht!

Wenn ihr hier im Blog etwas weiter nach unten scrollt, könnt ihr mein Portrait von Helen sehen. Und wer es noch nicht getan hat, der möge sich doch bitte einmal ihren kurzweiligen und interessanten Blog anschauen.  Dort könnt ihr außergewöhnliche, auf Pizzakarton gemalte Bilder bewundern.  Hier ist der Link dazu:  Helens Malerei auf Pizzakarton.

Ist es nicht schön, dass man solche bereichernden Kontakte über das Internet findet?

Der M. sitzt mit einer Bierflasche auf der Treppe unter dem Kastanienbaum, Cowboyhut in der Abendsonne über die Augen gezogen, die bloßen Arme in einem Sweatshirt mit abgeschnittenen Ärmeln über den Knien gekreuzt. Auf seinem Hut in Höhe meiner Augen sehe ich neben einer Reihe Silberdollars einen Pin mit „Think Green“-Schriftzug blinken.

„Du hast heute ein Päckchen für mich angenommen?“ frage ich und schaue zu der L. hinüber, die in kurzen Hosen am Grill steht und irgendetwas brät. Eine dunkle Rauchwolke steigt auf.

„Ja, Moment,“ ruft sie und nickt mir zu, „ich hole es gleich.“   Und während sie mit klappernden Sandalen ins Haus läuft, den Pekinesen im Schlepptau, sehe ich zu, wie der M. an einem Schweinerippchen mit Barbecuesauce nagt, den kleinen Finger seitlich abgespreizt.  Was für ein manierlicher Typ.

„Und?“ fragt er.  In diesem Moment fällt mit einem “Plopp” eine reife Kastanie auf seine Schulter und ihm das Schweinerippchen aus der Hand.

„Alles klar,“ sage ich.

Eine Zeichnung kann viele Dinge zum Ausdruck bringen: mit wenigen Linien kann sie eine Art visuelle Kurzschrift in einem Skizzenbuch sein oder sie kann helfen, ein Gemälde vorzubereiten.  Aber sie kann auch ein autonomes Kunstwerk sein,  das mit der gleichen Sorgfalt durchdacht und komponiert werden sollte wie zum Beispiel ein Ölgemälde oder ein farbiges Bild.  Manchmal wirkt eine Bleistiftzeichnung,  die genau beobachtete Details,  sowie verschiedene Texturen und differenzierte Tonwertabstufungen aufweist, fast wie eine ganz spezielle,  außergewöhnliche Fotografie.

Das Portrait von Helen war für mich eine besondere und spannende Herausforderung ( zur Großansicht bitte auf die Bilder klicken ).  Helen ist nämlich selbst Künstlerin und malt wunderbar ausdrucksvolle, zumeist kleinformatige Bilder in farbiger Expressivität, wobei immer der realistische Ansatz zu sehen ist.  Ich mag ihre Arbeiten sehr, die oft Obst, Gemüse, frische oder zubereitete Lebensmittel zeigen. Kleine, zumeist unbeachtete Dinge, wie z.B. ein Brötchen, eine halbe Zitrone oder ein Teebeutel bekommen bei ihr eine Präsenz und Ausdruckskraft, dass ich immer wieder staune.

Helen hat dafür eine ganz spezielle Malweise entwickelt, nämlich die „Malerei auf Pizzakarton“. Und das schreibe ich hier jetzt nicht einfach so, denn jedes ihrer Bilder ist tatsächlich auf einem Karton gemalt, auf dem üblicherweise Pizzen transportiert werden. Bestellt man ein  etwas bei ihr, bekommt man einen echten Pizzakarton geliefert….

Wer jetzt neugierig geworden ist, der kann dann mal hier klicken: http://www.malereiaufpizzakarton.de/

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