Julian Sas in Viersen

Julian Sas in Viersen

Oh ja, die Hütte brennt!

Aber zunächst einmal: ja, es ist alles wahr, was jemals über die sagenhaften Live-Qualitäten von Julian Sas, Tenny Tahamata und Rob Heyne geschrieben wurde.

Der fast schon hagere Rob mit seinen muskulösen Armen lächelt während der Schwerstarbeit an den Drums zumeist derart herzlich, dass man schon vom Hingucken gute Laune bekommt. Auch der dunkellockige Julian freut sich zusammen mit Tenny ununterbrochen über den schönen Abend. Ja, Grund zur Freude haben die drei reichlich, schon der tosende Auftrittsapplaus der knapp 200 Zuschauer im Saal Birgit in Viersen ist ein klares akustisches Signal der grenzenlosen Begeisterung –  hier wird Musik geliebt, es wird gerockt und jawohl, gleich auch mitgesungen, das hat etwas vehement Mitreißendes, und natürlich hopse ich ( und nicht nur ich ) schon gleich zum ersten Song Front of Stage.

Denn was hier passiert, ist einfach grandios, und es passiert wie eine große Welle, die zwar erwartet ist – denn wer Julian Sas kennt, wartet quasi darauf, dass ihn diese Welle wie aus dem Nichts heraus überrollt und mitnimmt.

Und das passiert hier sogleich mit „Resurrection“, wie auf seiner Live CD „Wandering Between Worlds“. Und zwar von Jetzt auf Gleich.

Julian Sas ist wahnsinnig, wirklich wahnsinnig, größenwahnsinnig, exaltiert, wunderbar, er spielt, als sei es 1979 oder 1985 oder irgendwann und alles zusammen. Rob ist extrem energetisch und Tenny ist ein cooler Typ, und sie scheinen alle drei glücklich über den Enthusiasmus, der ihnen hier ausnahmslos entgegengebracht wird.

Und eigentlich  habe ich selten, nein fast nie, so einen Drummer wie Rob vor Augen gehabt, das stelle ich immer wieder fest, dabei habe ich doch kürzlich erst Denis Palatin von Deborah Coleman spielen gesehen. Der Herr Heyne überzeugt durch Kraft, Präzision und teils unfassbar schnelle Läufe, so dass man sich fragt, wie wild ist das denn? Und, meine Güte, was macht der da, mit dem Schlagwerk? Was für ein Typ.
Launig moderiert Julian Sas zwischendurch die Songs an, „The Way it goes“ z. B. oder „This Time my Time“ oder als Highlight, das phantastische „ I take what I want“ zu Ehren Rory Gallaghers.

Los geht es, dynamisch, explosiv, sie rocken so durch die Songs durch, diese Herren, durch diese wunderbaren Songs, die mich schon durch einige Sommer und Herbst und Winter begleitet haben, die ich zum ersten Mal gehört hab, während ich  an einem heissen Samstagmorgen auf meinem Balkon gesessen habe, aber daran denk ich in dem Moment nicht, ich bin zu beschäftigt, denn dort oben auf der Bühne gibt es alles, und es will gehüpft werden, und mitgesungen.

Tenny Tamahata - Julian Sas

Tenny Tamahata - Julian Sas

Einhundertundfünfzig Minuten lang wird abgerockt, was das Zeug hält, dann ist nach zwei Zugaben Schluss, „Thanks again, i’m sure we’ll meet again in the future,“ sagt  Julian und begibt sich mit Rob und Tenny zum Merchandising Stand, um sich mit dem Publikum zu unterhalten, denn man kennt sich ja noch nicht persönlich. Ja, das ist nett von ihm, und überhaupt ist er nett, sogar noch netter als er sowieso schon onstage schien, und während dessen hocken wir am Bühnenrand, denn das letzte Glas will ausgetrunken sein, die letzten Gespräche wollen gesprochen und die nächsten Verabredungen getroffen werden und dann raus aus dem Club und rein ins Auto und ab nach Hause.

Ich muss schon sagen, irgendwie machen Julian Sas, Tenny Tahamata und Rob Heyne alles richtig. Großartig, bitte dringend weiter machen!

CessnaWie einfach es manchmal ist, die Perspektive zu wechseln! Man braucht sich zum Beispiel nur mal, sagen wir, circa vierhundert Meter nach oben zu bewegen, dann scheint alles anders zu sein und zu werden. Und das hat nichts mit Ja oder Nein zu tun – es geht eher um unser Konzept von Vergangenheit und Zukunft, um Mut und Aufmerksamkeit. Und es geht um etwas Inniges, Unausgesprochenes. Ich erinnere mich noch genau an den Aufkleber, den ein früherer Freund auf seinem angerosteten Kühlschrank hatte: „Gründe das Ich auf dem Ich,“ stand dort. Ich las es und im gleichen Moment schwor ich mir, immer weiterzumachen und von diesen großartigen Sachen, die ich schon lange liebte, niemals abzulassen.

Vielleicht sollte man wirklich wohl einfach öfter mal die Dinge von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachten, um zu sehen, wie winzig manche Dinge sind, die man für groß erachtet, weil einem so vieles den Blick verstellt und  wie klein im Prinzip doch der Radius ist, in dem man sich tagtäglich bewegt.

Cessna innen

Cessna innen

Manchmal ist es eben vollkommen unnötig, die Bereiche von Zeit und Raum ständig auszuloten und seinen eigenen Standpunkt sichern zu wollen, weil ja doch der einzige Moment, den wir haben, die Gegenwart ist.

Ja, so simpel ist das.

Deborah Coleman & Band

Deborah Coleman & Band

Das kann nur gut werden, das muss es, denn immerhin hab ich ja schon seit einigen Tagen die Live-CD von Deborah Coleman „Soul Be It“ in meinem Player liegen.

Ich schau mich um, mittlerweile ist es ziemlich voll in der Halle, sogar unerwartet voll, aber nicht unangenehm drängelig, und in der Lounge sitzt auch fast niemand mehr.

Um zwanzig vor zehn wird es dann endlich dunkel auf der Bühne, bisschen blaues Licht nur, und die Herren Innis und Palatin und der Andere, dessen Namen ich nicht weiß, treten nach vorn, und sie nehmen jeder sein Instrument in die Hand, bzw. nehmen hinter ihm Platz, ein kurzes sattes Intro, ein kleines musikalisches Geplänkel, ein Hey! ins erwartungsvolle Publikum und dann kommt Deborah Coleman. Deborah. DEBBIE!

Sie trägt ein Leoparden-Shirt, hohe Absätze und ihre glänzenden Haare zu tausend Zöpfen geflochten und sie hängt sich ihre Gitarre um und fängt an zu spielen und dann zu singen und der Zug nimmt augenblicklich Fahrt auf und ich bin hin und weg, weil ich kaum glauben kann, dass das jetzt alles echt ist.

„What comes around“, singt sie,  schickt fliegende Gitarrenriffs ins begeisterte Publikum und der brillante Herr Palatin, im dunklen Muscle-Shirt hinter dem donnernden Schlagwerk kocht pausenlos die Trommelschläge höher, um die Funken überspringen zu lassen und zum lodernden Feuer zu entfachen. Was nicht schwer fällt. Nein, absolut nicht.

Der mächtige sechssaitige Bass setzt ein, rechts von mir, bedient vom eindrucksvollen Roger Innis, breitschultrig, muskulös, stiernackig, glatzköpfig, mit Reihen von blitzend weißen Zähnen und minimalistischen Bewegungen, was seiner coolen Lässigkeit eine gewisse Beiläufigkeit hinzufügt. Phantastisch!

Ja, es geht unaufhaltsam los und als dann der laute Teil vom 10-minütigen „I am A Woman“ ( erinnert mich ein wenig an ein ironisches Gegenstück zu der Muddy-Waters-Hymne „I’m a Man“) kommt, da geht es noch mal richtig los, frenetischer „Szenenapplaus“, 200% Aufmerksamkeit, das Publikum explodiert und was immer jetzt da angefangen hat, es hört die nächsten eineinhalb Stunden nicht mehr auf.

Satt und saftig, virtuos und nur Armeslänge von mir entfernt, beschallen die Bandmitglieder das Publikum und die Herren Palatin und Innis bekommen ihre „five to ten minutes of fame“ in Form von emsig beklatschten gänsehauterzeugenden Soli, es ist alles da, großartig, es gibt viel zu sehen auf und vor der Bühne und obendrauf noch dick was aufs Ohr. Welch schönes Leben, welch schöne Welt!

Oh ja, und auch die etwas leiseren Sachen verzaubern live, sind seelenreich und intensiv gespielt. Beeindruckend!

Ich kann kaum beschreiben, welche Atmosphäre diese Band entwickelt,

Deborah Coleman

Deborah Coleman

kann kaum beschreiben, wie charismatisch Debbie Coleman ist, wenn sie so voller Seele ihrer Gitarre Töne entlockt und das Auf und Ab von Herzensangelegenheiten besingt, meilenweit entfernt und doch ganz nah, und dabei Roger Innis Blicke zuwirft – ja, keine Frage, da ist chemistry zwischen den beiden, und die kann man sehen.

Insgesamt waren das 90 starke, intensive und lebendige Minuten auf den Punkt, mit einem meiner Meinung nach besonders hellen Stern am weiblichen Blues-Firmament,  aber dann ist das Publikum erst mal kaputtgespielt, Hitze und Erschöpfung allenthalben und ein durstiger Treck bewegt sich zu der langen Theke hin.

Liebe Debbie, liebe Band, das war sensationell, vielen Dank.

Ausstellung Kunsteverein 2009

Ausstellung Kunsteverein 2009

Wer in der nächsten Woche noch nicht so viel vor hat, der kann dann mal die 13. Jahresausstellung des „Kunstvereins Wermelskirchen“ in den Bürgerhäusern an der Eich im Bergischen Land besuchen.

Hier zeigen 25 Künstler mit Bildern und Skulpturen einen Querschnitt ihrer Werke. Wie in jedem Jahr stellt sich der Kunstverein in dieser Form allen Kunstinteressierten vor und zeigt damit, wie vielseitig die Mitglieder des Vereins sind und was sie in Bezug auf Kunst so alles zu bieten haben.
Auch von mir gibt es dort zwei Bilder zu sehen, ein Porträt von Abi Wallenstein und ein Porträt unserer stellvertretenden Bürgermeisterin Christel Reetz.

Ausstellung Kunstverein 2009

Ausstellung Kunstverein 2009

Auf der Vernissage sprach Frau Reetz  ein paar nette Begrüssungsworte, der Kunstverein spendierte tablettweise Sekt und andere Getränke und das musikalische Rahmenprogramm wurde wieder von der Musikschule Wermelskirchen gestaltet.

Wer also jetzt Lust dazu bekommen hat:  Die Ausstellung in den Bürgerhäusern kann Montag – Freitag 10:30 – 13:30 Uhr und Samstag/Sonntag 11:00 – 17:30 Uhr besichtigt werden. Näheres oben unter der Rubrik „Ausstellungen“.

Ausstellung Schmallenberg 2009

Ausstellung Schmallenberg 2009

Ausstellung in Schmallenberg:

Es war schon wieder alles perfekt.

Auf der Hinfahrt nach Schmallenberg im Sauerland gab es wechselhaftes Wetter, erst Regen, dann Blau, erst Sonne, dann Grau, dann wieder Regen… aber da hinten dann, über den gebirgigen Wäldern, da war es schon viel heller. Und in Schmallenberg war das Wetter dann okay, und wir wurden in der Hawerlandhalle so freundlich empfangen, dass man, wenn man erst einmal dort war und dann, wie jetzt, zum zweiten Mal hinkommt, schon meint, man käme nach Hause zu netten Freunden.

Darum hier jetzt mal ein herzliches DANKESCHÖN an alle, die der Einladung zur Ausstellung meiner „BLUES-ART“ in die Hawerlandhalle gefolgt sind !

Mein ganz besonderer Dank geht an Blues Schmallenberg e.V. und dort insbesondere an den Vorsitzenden Jürgen Meyer und natürlich auch an Christa, die das alles, wie immer,  so wunderbar organisiert und geplant haben.
Ein ganz herzliches Danke auch an das motivierte Team für die „zupackende“ Unterstützung und für das Catering, das jedem Wunsch entgegen kam. Und, ganz klar,  ein besonderes DANKE an den bärtigen Gärtner für die unermüdliche Hilfe beim Transport und beim Auf- und Abbau.

Und wer möchte, der kann sich auch ein paar Bilder von mir auf der Ausstellung des hiesigen Kunstvereins anschauen, die noch einige Tage, nämlich bis zum 01.11.2009 in den Bürgerhäusern zu sehen ist. Näheres oben unter der Rubrik „Ausstellungen“.

Jimi Hendrix - Hush

Jimi Hendrix - Hush

Wer am Freitag, den 23. 10.2009 noch nichts vor hat, der kann dann mal zum diesjährigen Jimi Hendrix Fan Treffen nach Fulda fahren und sich zum Beispiel Philip Bölter und Randy Hansen mit originalen Hendrix Sounds anschauen und anhören.

In der Umbaupause gibt es, wie jedes Jahr, eine attraktive Hendrix-Verlosung und eines der dabei zu gewinnenden Präsente ist, wie schon des öfteren, ein von mir gezeichnetes und den Veranstaltern zur Verfügung gestelltes Original eines Porträts von Jimi Hendrix.

Also, wer mit dem Glück einen Pakt geschlossen hat und dieses Porträt gewinnen möchte, bestellt sich am besten schnell eine Eintrittskarte bei Eckhardt Bergmann unter http://www.hendrix-fans.de

Denn jede Eintrittskarte ist gleichzeitig ein Los.

Tineke Schoemakers

Tineke Schoemakers

Nein, ich habe wirklich noch nicht so oft gesehen, dass ein Musiker auf der Bühne begeistert seine Gitarre küsst. Guus Laporte macht das – er küsst seine Fender nach dem großartigen Song „Sally go round the Roses“ und dann noch einmal nach „Tell me more“ und später dann noch einmal.
Aber eigentlich müsste die Vorstellung der bereits 1974 gegründeten  Band „Barrelhouse“ mit der charismatischen Tineke Shoemaker (Gesang) beginnen, oder mit Janwillem Sligting ( Fenderbass, Harp, Kontrabass, Akkordeon), oder mit Johnny Laporte an der Gibson oder mit Han van Dam am Piano oder vielleicht doch mit Bob Dros an den Drums, denn was jeder einzelne dieser sechs Holländer aus Alkmaar und Amsterdam an diesem Abend präsentiert, ist von aller erster Güte und das Gehör nachhaltig bereichernd.
Wie außergewöhnlich und beseelt doch ihre Version von „Hard Time Killing Floor“ ist -  zu Beginn nur mit Stimme und Kontrabass dargeboten, und wie unglaublich hypnotisch und schleppend dann durch den Einstieg der beiden fetten Gitarren und des tollen Piano!
Oh ja, das ist wahrlich ein atemloser und mitreissender Abend, musikalisch über zwei Stunden lang auf den Punkt gebracht, dazu abwechslungsreich in Tempo, Instrumentierung, Soli und Atmosphäre, und dabei fällt nichts auseinander oder verdröselt sich, es ist ein perfektes und stimmiges Konzert von einem kompakten Bandgefüge.
Unübersehbar ist auch, dass Konzerte dieser Güte nun mal wirklich körperliche Arbeit sind, Guus Laporte hängt sich griffbereit ein Frotteetuch um den Hals, und Bob Dros, in Ermangelung desselben, muss sich immer wieder mit seinem klatschnassen Shirt das Gesicht abwischen.

Klar, solche Konzerte sind Anstrengung, und dass das Konzerterlebnis der Auftretenden mit dem der Zuschauer offensichtlich kongruent ist, zeigt sich dadurch, dass es ordentlich Gehüpfe im Publikum gibt, Gejohle, Mitsingen, Pfeifen, Klatschen, Biergläserheben und dass der ein oder andere, zu Anfang noch in dicker Jacke, diese im Laufe des Abends irgendwo auf einen Stuhl, Hocker, in der Ecke der Bühne oder auf dem Boden ablegt.
Und wer Grundkenntnisse im Headbangen oder Luftgitarrespielen hat, der war hier sowieso genau richtig.
Wenn also Barrelhouse das nächste Mal nach Good old Germany kommen, muss ich ganz dringend wieder dabei sein!

Elizabeth Cotten

Elizabeth Cotten

Elizabeth Cotten ist eine wahre Ikone des stilbildenden amerikanischen Fingerpickings, die unzählige Nachahmer/innen gefunden hat. Man sagt ihr nach, dass sie Lieder nachspielen konnte, nachdem sie diese nur einmal gehört hatte. Ihr bekanntestes Stück ist sicherlich das wunderbare „Freight Train“ , welches sie bereits im Alter von 12 Jahren geschrieben haben soll. Viele ihrer Songs wurden von so angesagten  Bands und Musikern wie Pete Seeger, Peter, Paul & Mary und Grateful Dead aufgenommen.  Mit Blues-Größen wie Mississippi John Hurt, John Lee Hooker und Muddy Waters stand sie auf der Bühne. Da ist es natürlich klar, dass sie auch einen Grammy gewann, nämlich für das Album Elizabeth Cotten Live! Und das zu Recht.

Für das Porträt  dieser großartigen und bemerkenswerten Frau habe ich nur wenige Farben benutzt, nämlich Ocker, Siena, Umbra, Grau, Schwarz und etwas Blau. Gezeichnet ist es auf Hahnemühle Zeichenpapier 90g in DIN A3, welches ich zuerst in zwei gleich grosse Quadrate zurechtgeschnitten und dann wieder zusammengefügt habe, so dass im Endeffekt eine Grösse von ca. 50 x 70 cm entstand.  Die Person und die Gitarre sind relativ genau und realistisch, besonders auch in Bezug auf Licht und Schatten gezeichnet, ebenso die Ansicht des Mississippi, welche aus einer Skizze entstand, die ich vor ein paar Jahren auf einer Südstaaten-Reise angefertigt hatte.

Das hier gezeigte Porträt von Elizabeth Cotten ist eines aus meiner Serie „The Blues Is Still Alive“,  Porträts „alter Bluesmänner/Bluesfrauen“, die ich zumeist mit Zeichnungen von Stadt- und Landansichten aus dem Süden der USA kombiniert habe. Und wer sich jetzt noch einige Bilder aus dieser Serie anschauen möchte, hier ist z.B. eines von Robert Lockwood oder hier eines von John Primer.

Letzte Sommertage

Letzte Sommertage

Lieber Sommer, nun bist du also gegangen. Und hast so vieles mitgenommen. Heute habe ich zum ersten Male die Herbstluft durch die offene Terrassentüren hereinkommen gespürt. Hättest du nicht schon im Juni die Sonnenstrahlen brennen und die Rosen überschwänglich blühen lassen, ich hätte dir den August nie verziehen. So viele graue Tage, kühl, windig, feucht. Und so viele Spinnen hast du mir geschickt, auf meine Terrasse, vor meine Tür. Das Meer habe ich in diesen Sommermonaten nicht gesehen, but I don’t blame you. It’s not your fault. Lieber Sommer, ich hatte meine Zweifel, ja. Ich war manches Mal unzufrieden, mit dir und auch mit mir. Ich werde unsere gemeinsame Zeit trotzdem in guter Erinnerung behalten. Mit all den Kleinigkeiten, die ich an dir so mag: die warmen Nächte mit Festival-Flutlicht, das Liegen im Schatten unter Birken und Akazien, die Momente aus Licht und Stille, den Geruch von Himbeeren – barfuss das Gras spüren, den heißen Asphalt spüren, den Staub in den Haaren. Du bist so flüchtig, lieber Sommer. Möchtest du nicht das nächste Mal ein wenig länger bleiben? Ich mag deine langen Abende. Ich mag auch deine Sonnenaufgänge, sie sind jedes Mal traumhaft. Wunderbar. Lieber Sommer, wir sehen uns im nächsten Jahr. Pass auf dich auf….
in Liebe R.

Dear Summer,

so you already went away. And you took so many things with you. Today, for the first time I felt the autumn air breezing in through my open terrace doors. If you had not let burn the sunbeams already in June and not let blossom the roses abundantly there would have been no way to forgive you the August. So many grey days, cool, windy, damp. And you sent me so many spiders right to my terrace, right in front of my door. I did not see the sea within these months of summer, but I don’t blame you. It’s not your fault. Dear summer, I had my doubts, indeed. Many a time I was unhappy with you and even with myself. Yet, I will keep our time together in vivid remembrance. With all the little things, which I like in you: the warm floodlit festival nights, roaming in the shade underneath birches and acacias, the moments made of light and quiet, the smell of raspberries, barefooted feeling the grass, feeling the hot asphalt, the dust in the hair. You are so fleeting, dear summer. Wouldn’t you like to stay a little bit longer next time? I like your long evenings. Also I like your sunrises, they are fantastic. Wonderful. Dear summer, we will see each other next year. Take care of yourself…
in love, R.

Julian Sas

Julian Sas

Der Sommer verweht seine letzten warmen Lüftchen und knappe Tops, tätowierte Waden und Treckingsandalen schmücken das Festivalgelände im Openluchttheater De Doolhof, während des 26.
Bluesrockfestivals in Tegelen.

Eine außergewöhnlich schöne Location ist das, ein bisschen wie ein überdachtes Amphitheater, auf dessen roten Schalensitzen man es sich bequem machen kann, dazu gibt es allenthalben eine entspannte Atmosphäre, glücklich lächelnde Leute, die auf dem Gelände zwischen den diversen Ständen bummeln und Sate Spiesse essen oder mit einem Bier in der Hand auf der Treppe in der Sonne sitzen….ja, was will man eigentlich mehr an einem lauen Septembertag?

Und dann, am Sounds-Pavillon, sehe ich David Gogo aus Kanada vor den Regalen stehen, konzentriert mit Suchen und Gucken beschäftigt, die Hände voller CDs und DVDs, und ich erinnere mich, dass er, vor etwas mehr als einem Jahr in ungefähr gleicher Position in der unteren Etage im Sounds in Venlo stand und lachend zu uns sagte: „ Das wird ein teurer Gig für mich…“
Das ist natürlich nur logisch und konsequent, klar, denn so ist es immer im Sounds.

45 Minuten hat David Gogo heute auf der Bühne zur Verfügung, schade, denn ihn hätte ich gern wieder mal abendfüllend erlebt.  Im bestickten Hemd kommt er seiner Aufwärmpflicht ganz wunderbar und zur allseitigen Zufriedenheit nach.  Er präsentiert eine Reihe Songs von seiner neuen CD, so zum Beispiel „Gunslinger“ und dann noch „Lies“, und die Herren auf, und die Zuhörer vor der Bühne haben ihren Spaß dabei.  Ja, man mag sich, gern sogar, sehr gern, es passt auf jeden Fall schon alles so.

Der Nachmittag lockt dann mit einem Bandnamen, den ich zumindest schon mal gehört habe: James Hunter . Zunächst gilt es aber das Konzert einer Band namens Th`Legendary Shack*Shakers zu überstehen. Heftig!  Ein sympathisches Quartett, das alles dem Erdboden gleich macht. Wennschondennschon.  Bluegrass, Polka, Blues, Ska, Punk, Rock und alles, was sich musikalisch irgendwie umsetzen lässt von kerligen Jungs aus Amerika, die ordentliche Frisuren tragen und schwarze Shirts.  Das Publikum zeigt sich euphorisch, kollektivklatschend und hopsend.  Wie gesagt, ich hab keine Ahnung.

Aber dann….immer wieder gern gesehen… treten Julian Sas, Tenny Tahamata und Rob Heijne auf die Bühne, tight, laut, energetisch und voll von dieser einen Art Live-Wahnsinn, die eine Band nur durch ausdauerndes und routiniertes Touren bekommt.
Und dann hauen sie rein. Und wie sie das tun.  Das geht ununterbrochen so weiter, „I Take What I Want“ gibt es zu Ehren für Rory Gallagher zu hören und dann aber auch zum Beispiel“ The Devil Got My Number“,  bis sich dieser treibende Rhythmus unweigerlich und unaufhaltsam in wirklich jedermanns und jederfraus Gehörwindungen geschoben hat.  Auch diese Band hätte ich gerne abendfüllend erlebt.

Ja, er ist ein wirklicher Glücksfall für dieses Festival, dieser Mann aus Leeuwen, denn fast sämtliche Besucher des Konzerts hängen und drängen jetzt vorne an der Bühne, ein großes Fest allenthalben, auch die Band selbst freut es sichtlich, emsig wird aus allen Richtungen, in alle Richtungen, gefilmt und fotografiert.  Das scheint er zu mögen, der Julian.

Anschließend spielt dann der große Cuby Muskee mit seinen Blizzards zum Tanz auf.
Diesem Mann bringe ich größten Respekt entgegen, für seine Arbeit, seine Songs, fürs Überleben.  Denn seit den 60er Jahren ist dieser Herr, der auch einmal Hermann Brood in seine Band holte, musikalisch unterwegs.  Mit großer Würde und ungebrochener Energie bringen Cuby und seine Kollegen hier in Tegelen ein Live-Konzert der hohen Klasse dar.
Obwohl, diese sieben engagierten Herren sind nicht ausgelassen, zwar lässig, aber gleichzeitig auch konzentriert; es ist eher ein Arbeiter-Gig, so scheint mir, von einer gediegenen Elektrik und Bläsersätzen durchzogen, bemüht „to make the magic happen“, und trotzdem ist dieser Auftritt für mich äußerst spannend und frisch, ganz besonders „Appleknocker`s Flophouse“ ist mir in allerbester Erinnerung geblieben.

Hach, die Zeit vergeht so schnell an diesem Tag, und schon bald steht die Endgruppe an, der Schlußact, sie kommen mit Geige, Kontrabaß, Banjo, Gitarre, Key und Schlagwerk auf die Bühne und dann plötzlich brüllt, scheppert, kreischt, dröhnt es, unglaublich laut, die ersten Sekunden denke ich, ich bin im falschen Film, was ist das, Metal? Country? Punk?
Die Jungs von Hank III & Assjack tragen Westernhüte und Caps, aber diese Musikkategorie kann ich nicht.  Und dann, dann rocken sie los, krawallig, schräg, keine Ahnung, Noiserock, Dub, Interpunkbluesrock oder so, woaha.

Ja, und dann ist es für uns wieder mal vorbei, das Bluesrockfestival in Tegelen, wir gehen die Treppe hinunter und hinüber zum Parkplatz, wo die Leute auf der Wiese vor ihren Zelten sitzen. Schön war es, spannend und entspannend.

Ich habe sogar entgegen aller Vorsätze ein Glas holländisches Bier getrunken, mir endlich die „Hard Again“ im Sounds-Pavillion gekauft, mich über das

Cuby & The Blizzards

Cuby & The Blizzards

Wollen und Nichtwollen unterhalten und darüber, dass ich im vorletzten Jahr hier Danny Bryant kennengelernt habe, und dass es manchmal nur ein einziger Gedanke oder eine einzige Begegnung ist, die dem Leben eine neue Richtung gibt, ja, darüber haben wir auch sinniert.
Noch später dann, wieder zuhause, lege ich, aus Nostalgie, ob der guten alten Zeiten, noch eine Vinylplatte auf, „Am I Here“ von Johnny Winter Live, ja das passt irgendwie und alles ist schön und gut, und ich bin zufrieden mit der Welt und mit allem.
Danke dafür.

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